Spanische Siedlungen eines bayerischen Söldners

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Sein neuer Vertrag stellte Thürriegel wieder unter das Kommando Michel Gschrays, der nach schlimmen Irrwegen, Bestrafungen, Degradierungen, Vermögensgewinnen und pekuniären Einbußen preußischer General geworden war, ein ruheloser Geist in den Machtzentren der alten Welt. Doch der ehrgeizige Thürriegel überwarf sich alsbald mit dem ertaubten Ex-Kollegen, der ein Lotterregiment führte und preußische Werbegelder veruntreute.

Gschray, bei den Preußen in Verdacht des Verrats geraten, lenkte die Spur von sich ab auf Thürriegel. Der wurde verhaftet und unter der Beschuldigung des Staatsverrats in die Festung Magdeburg gebracht. Als er nach zwei Jahren 1763 dank königlicher Weisung freigelassen, trotz erwiesener Unschuld aber auch des Landes verwiesen wurde, veröffentlichte er seine Racheschrift: „Der glückliche baierische Eisenamtmann oder merkwürdige Lebensgeschichte des Herrn von Gschray.”

Verarmt und verschuldet ließ sich der als Oberstleutnant bei den Franzosen ausgeschiedene Abenteurer auf Geldfälscher- und Wechselgeschäfte ein, wurde in Innsbruck an den Pranger gestellt und „auf ewig" aus den kaiserlich königlichen Erblanden und vom Hof verbannt. Wieder Schreiber beim kurfürstlichen Landrichter in Amberg, fälschte er dessen Unterschrift und kassierte unter dem Namen der angesehenen (nieder-) bayerischen Ministerialen Nothaft (ein Kaspar Nothaft aus dem 16. Jahrhundert ist die Hauptfigur im Münchner Rathausturm-Umlauf!) in Stadtamhof und in (Passau-) Hals Steuergelder für angebliche Truppenbewegungen, wurde aber schnell gefasst. Dank kurfürstlich-bayerischer Gnade entging er einer Verurteilung wegen Urkundenfälschung zu Schanzarbeiten in der Festung Ingolstadt, wurde aber des Landes verwiesen.

05 thuerriegls frauNach vielen Anläufen bekam er dank des angeblichen Hochadels seiner Frau Kontakt zum spanischen Königshof. Das etwas zwielichtige Paar wurde zum Handkuss zugelassen, dabei stellte Thürriegel seine unehelich geborene Frau als „Maria Anna Baronin von Schwanenfeld", später gar als Gräfin oder Contesa vor. Sie sei als Ergebnis einer Liebschaft zwischen Karl VII. Albrecht und ihrer adligen Mutter bei des Kaisers Aufenthalt 1743 in Augsburg 1744 geboren. Tatsächlich dürfte sie die Tochter eines zur selben Zeit in Augsburg genannten Söldner-Obristen Schwanenfeld gewesen sein, der unter Hinterlassung „tapferer Schulden" aus Schwaben verschwand. Sie schenkte ihrem Mann am 29. März 1761 in München den Sohn Friedrich Alexander Jakob Karl. Der Buchdrucker des Kurfürsten und der Landschaft, Johann Jakob Vötter, übernahm die Patenschaft bei der Taufe im Liebfrauendom. Den Fünfjährigen samt Kinderfrau ließen Thürriegel und seine Frau mit wenig Geld in Ulm oder Schaffhausen in Kost zurück.

In Spanien bot Thürriegel König Karl III. Kolonisten an, die der dringend brauchte. Denn seit der Vertreibung fast aller Juden mit Ausnahme derer, die sich taufen ließen, und aller Mauren gegen Ende des 15. Jahrhunderts und nach schweren Kämpfen um das Gebiet des fast 600 Kilometer langen  „Schwarzen Gebirges" mit seinen Korkeichenwäldern und Hartlaub-Buschlandschaften und den Quecksilber- und Kieselerde-Bodenschätzen war die Sierra Morena entvölkert. Dort lebende Mönche waren zu Verbündeten von Schmuggelbanden geworden, denen die Sierra Morena als Machtbasis und Rückzugsraum diente.

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