Spanische Siedlungen eines bayerischen Söldners

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Der Bursch wurde bei der kurfürstlichen Bräuhausverwaltung in Gossersdorf eingestellt und alsbald, keine 18 Jahre alt, in die lukrativere Gerichtsschreiberei zu Mitterfels versetzt. Dort begegnete er den beiden Männern, die seinen künftigen Lebensweg maßgeblich beeinflussten: „Eisenamtmann" (Gerichtsdiener) Michel Gschray (1692 in Monheim bei Donauwörth - 1763 in Wemding) und Oberstleutnant Jean Barreau. Dieser französische Verbindungsoffizier zur bayerischen Armee und zu Freicorps organisierte den Widerstand im Österreichischen Erbfolgekrieg und sollte Österreichs Vormarsch unter Marschall Graf Khevenhüller (seine Familie war aus Khevenhüll im bayerischen Altmühltal ausgewandert!) im reichen Gäuboden zwischen Regensburg und Vilshofen stoppen.

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Einem Zeitungsbericht der (19-hundert) vierziger Jahre ist diese angebliche Darstellung Gschrays entnommen (li.). - Trencks Panduren auf einem Votivbild der Geiersberg-Wallfahrt (re.)

Gschray, ein skrupelloser Abenteurer, charakterloser Gauner und Hasardeur, war nach einer Unterschlagung im Gericht Schierling erst nach Deggendorf und dann nach Mitterfels strafversetzt worden. Er führte beim Einbruch der Trenckschen Panduren in den Bayerischen Wald ab 1741 eine so genannte Freicompagnie in bayerischen Diensten: Eine von anfangs 50 auf 500 Mann angewachsene Truppe, ein roher Haufen meist aus dem Kreis der bayerischen Gerichtsdiener, Henker und Abdecker, die er auf eigenes Risiko mit dem Versprechen reicher Beute angeworben und ausstaffiert hatte.

Sein Angebot einer Offiziersstelle war ein Glück für den 19-jährigen Thürriegel. Der stand nach Streichen wider den kurfürstlichen Gerichtsschreiber Sommer vor der Entlassung. Als Gymnasiast hatte er eine Fechtausbildung genossen. Überdies war er im Heimatdorf zum Reiter herangereift, der ohne Sattel wie angegossen auf Pferden saß. Jetzt im Kampf mit den berüchtigten Panduren, nach brutalen Untaten bis heute der Schrecken Bayerns, zeichnete sich Johann Kaspar von Thürriegel durch Mut und angeborenes taktisches Geschick aus.

Gschray, ein Großmaul, hundsföttischer Lügner und Betrüger, ungebildet, bisweilen bösartig und launisch, neidete dem jungen Kameraden den Ruhm. Thürriegel spürte das. Als Jean Barreau ihm eine Vermittlung in die Armee Frankreichs anbot, rechnete sich Thürriegel bessere Aufstiegschancen aus und unterschrieb.

Nach kurzer Zeit war er im Generalstab des Marschalls Moritz Graf von Sachsen, bald auch dessen Adjutant und geheimer Kriegskorrespondent. Dieser (Aus-)Wanderer in den Söldnerwelten hatte den Offizier in Hengersberg bei Deggendorf während der Kämpfe gegen die Österreicher und bei Handstreich-Aktionen gegen die Panduren beobachtet. Thürriegel war die ausgezeichnete Kenntnis seiner Heimat zugute gekommen. Im Siebenjährigen Krieg wurde er der bei den Gegnern gefürchtete Chef der französischen Spionage! Seine Erfolge befriedigten ihn nicht; Kampfaufträge erschienen ihm rühmlicher und lukrativer als die ihm obliegende Koordinierung der Spionageaktionen und die Analyse der Spähererkenntnisse.

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