„Woaßt da’s ä selber, wia’s a so her gäd.”

MUSEUM Sepp 

. . . war a Spruch vom Brembeck Sepp, dem Begründer des Mitterfelser Museums

Am 10. September 2008 ist der Sepp verstorben. Wir erinnern an ihn mit der Laudatio des ebenfalls verstorbenen Kreisarchäologen Karl Böhm, die der zum 20-jährigen Bestehen des Mitterfelser Museums im Dezember 2002 hielt.

Karl Böhm, in: Mitterfelser Magazin 9/2003

20 Jahre Heimatmuseum Mitterfels

 

„Der Anlass, der uns heute hier zusammengeführt hat, ist das 20-jährige Bestehen eines Heimatmuseums, von denen es natürlich unzählige gibt, auf die unzählige Gemeindeväter stolz sind, zumindest bei der Eröffnung. Unter den unzähligen gibt es eine Reihe von besonderen und unter den besonders gelungenen nur ganz wenige einmalige - solche nämlich, wie das Mitterfelser.“ So begann der Kreisarchäologe Karl Böhm seine Laudatio auf Sepp Brembeck [der am 10. September 2008 verstarb (Red.)] zum 20-jährigen Bestehen des Mitterfelser Heimatmuseums.

Karl Böhm weiter: An seinem Anfang stand auch hier, wie in vielen vergleichbaren Fällen, ein leer stehendes historisches Gebäude, für das man eine sinnvolle Nutzung brauchte: Und was passiert dann in der Regel, wenn einem kommunalen Gremium gar nix mehr einfällt, was man mit so einem alten Kasten machen könnte? Es mündet in den befreienden Seufzer: Na mach’ ma halt a Museum! Dann gibt‘s einen Aufruf an die Bevölkerung: Wer had oids Zeich vo Freiers? A pensionierter Lehrer macht aus dem Durcheinand ein Museum - und dann weiht ma’s ei, mit Blasmusik und viel Begeisterung. Am Eröffnungstag wimmelt’s nur so von Besuchern, weil der Eintritt frei is, weil’s Fernsehn da is oder weil’s Häppchen gibt mit Prosecco. Dann werd’s a weng staada und es dümpelt eine Weile dahin, wenn nicht g’rad die örtliche Grundschulklasse („Fei nix olanga, Kinda!”) zwangsweise durchgeschleust wird. Dieser eine Museums­besuch eines jungen aufblühenden, noch biegsamen Lebens fällt meist so nachhaltig aus, dass er für ein ganzes reiches Leben bis ins hohe Alter genug ist, bestenfalls noch einmal der Auffrischung mit dem Altenclub bedarf.  

Und irgendwann wird’s Museum zug’sperrt bzw. nur noch mit „Termin nach Absprache” zugänglich. So ähnlich war der Anfang auch in Mitterfels, - aber naa, eigentlich doch ganz anders.

Jetzt kommen zwei wichtige Personen ins Spiel (wie wir ja schon gehört haben): Ein Bürgermeister, Altbürgermeister Werner Lang, und ein großer Liebhaber von oidm Zeich, Josef Brembeck, Brembeck Sepp. Der Bürgermeister, der das besagte alte Gebäude zu nutzen hatte, nämlich das Gefängnis, wusste von einer höchst respektablen und ausstellungswerten Sammlung in der Gegend, genauer gesagt im vier Kilometer entfernten Haselbach.

Und so kam es, wie kann’s bei dieser waidlerischen Erfolgsgeschichte anders sein, bei einem Bierzeltbesuch zur entscheidenden Gipfelkonferenz. Der Vortragende, der nicht dabei war, stellt sich das so vor, wie der Niederbayer Bruno Jonas das grammatikalische Idiom des bayrischen Irrealismus erläutert: „Du wia war’n des? Was dadsd’n du sag’n, wenn i di frogn dad, ob du aus deim oidn Zeig a Museum macha dadadsd?” - „I wissad da was.”

Und die beiden sind bekanntlich handelseinig geworden, sonst wären wir ja heute nicht hier. Und der Landkreis hat neben dem k/greislichen Museum auf dem Bogenberg, dem kkkreislichen, nicht dem greuslichen versteht sich, eine zweite bedeutende heimatkundliche Sammlung bekommen, die ihm noch dazu nix gekostet hat.

Das was die beiden da im rechten Moment gemeinsam geleistet haben, wäre im besten Sinne Produkt eines Synergie-Effekts. Das Problem ist nur, es war keiner, weil man den Ausdruck seinerzeit noch nicht gekannt hat, wie natürlich auch die Museumseröffnung 1982 absolut kein Event nicht war, obwohl es sicher zu einem Highlight für Mitterfels gereicht hätte. Aber man glaubt es kaum, damals (und so lang is des ja auch noch nicht her) kam unser Alltag noch ohne diese anglizistischen Worthülsen aus - und hat auch funktioniert, genauso wie die Einrichtung des Hauses hier im Erdgeschoss und zwei Jahre später sogar mit dem Obergeschoss und dem Depot im Dach dazu.

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... das Museum ist Sepp’s zweite Heimat geworden.

 

Ob da Lang und da Brembeck das mit einer bottom-up-Strategie angegangen sind, hab ich nicht heraus bekommen, weil ich ihnen selbige nicht hab erklären können. Der Hauptakteur und fast lebenslange Museumsdirektor, vor 1982 halt noch ohne Museum, ist - und war - und wird hoffentlich noch lange bleiben: Da Sepp, da Boda, da Brembeck. Heuer im Frühjahr is er 70 geworden, was man ihm - dieses eine persönliche Kompliment sei mir gestattet - nicht ansieht.

Sein Schlüsselerlebnis für den hier zu würdigenden Werdegang war nach eigenem Bekunden die Notlandung eines amerikanischen Bombers bei seinem Heimatort Haselbach im Schicksalsjahr 1945. Die Besatzung kam dabei ums Leben und ist dort begraben. Für den 13-jährigen Buben aber war das Flugzeugwrack eine wahre Fundgrube. Und er hat so etwas Überraschendes, ja „Unsinniges” wie die dicke Frontglasscheibe aufgehoben.

Zwei Jahre später, 1947, kam er aus der Schule und lernte das Friseurhandwerk, hierzulande und in diesen Zeiten immer noch das des „Baders”, ein Rufname, der ihm lange blieb, auch als er ab 1955 zur Möbelfabrikation bei der Firma Nolte in Hunderdorf wechselte. Mehr und mehr entwickelte er sich daneben zum leidenschaftlichen Sammler für alle möglichen Gegenstände aus der sogenannten Volkskunde, eben jener Gebrauchsgegen­stände, Handwerkszeug, Alltagsgerät und -mobiliar und kleiner Maschinen, weshalb er damals schon im Kollegenkreis der „Museumsdirektor” war. Sein „Museum” war das Vaterhaus und Stadl und Schupfn, wo er auf seine Kosten das untergebracht hat, was eines Museums wahrlich würdig war.

Parallel dazu, was nicht bedeutet automatisch oder gar selbstverständlich, erarbeitete er sich viel Sachverstand und hohe Sachkompetenz zu den toten Stücken seiner Schätze, erst beobachtend (schon als Kind bei den Handwerkern), dann gezielt erfragend (so lange noch jemand dafür da war), sich anlesend oder anderweitig, um über Bezeichnung, Funktion und Gebrauch Bescheid zu wissen. Er ist viel in andere Museen gefahren, hat auch dort beobachtet, Eigenes eingebracht und beste Kontakte in ganz Bayern geknüpft. Da Brembeck Sepp wird als kompetenter Gesprächspartner für Museales, Antiquitäten, Alltagskultur beschrieben. Ihm geht es immer um den Zusammenhang, der sich hinter den Stücken selber verbirgt, was man vielleicht vordergründig unterschätzen mag. Jetzt gilt es dieses ungeheure Wissen dauerhaft zu sichern, um es mit den zugehörigen Stücken, die ja schon gerettet sind, weitergeben zu können.

Natürlich ist er stolz d’rauf, was er alles an Land gezogen hat - und er kann zu Recht stolz darauf sein, auch wenn er das nie zugeben wird. Er ist kein großer Selbstdarsteller, eher im Hintergrund wirkend, was nicht heißt, dass es ihm schon auch gut tut, wenn er gelobt wird.

Er hat es zunächst ganz im Stillen zusammengetragen, ohne Einblick für Außenstehende zu bieten, auch damit man ihn nicht für „narrisch” hält. Manch großes Stück war natürlich erst mit dem räumlichen Hintergrund des Museums in der Burg zu sichern. Ursprünglich hatte er in Haselbach ein Museum angedacht für seine Schätze, doch war die Konstellation dort nicht so günstig. Dafür verdankt ihm sein Heimatort die Rettung manchen Grabdenkmals im aufgelassenen Friedhof um die Kirche. Sonst wüssten wir heute vielleicht schon nicht mehr, dass der Kunstmühl- und Dampfsägewerkbesitzer von Wenamühle, Franz-Xaver Merl, im Oktober 1920 „durch ruchlose Mörderhand” gestorben ist.

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„Es gibt schon zu denken, wie weit wir es gebracht haben im frühen 3. Jahrtausend nach Christi Geburt....”

In Sachen Museum war Mitterfels eben genau der Glücksfall, wie schon geschildert, den es für so eine tolle Geschichte braucht und das unterstreichen er und sein Freund Werner ohne zu zögern und ohne jede Einschränkung auch noch nach 20 Jahren. Er hat diese Entscheidung nie bereut - das Mitterfelser Museum hier ist seine zweite Heimat geworden.

Hauptamtliche, g’lernte Berufskollegen beschreiben den Brembeck Sepp als einen sehr kooperativen Menschen, was wiederum überhaupt nicht selbstverständlich, aber was ganz besonders wichtig ist, wenn es um Leihgaben aus seinem Fundus geht, die gleichzeitig wiederum belegen, welch gefragte Sammlung er zusammengetragen hat aus selten gewordenen Stücken, an denen es oft bei den größeren Häusern mangelt.

Hervorgehoben und stark gelobt wird das gar nicht selbstverständliche und längst nicht immer schon für ein Museum übliche Präsentieren des Einzelstücks im Zusammenhang seiner ursprünglichen Nutzung und in einer Sinn gebenden chronologischen Reihung, soweit es sich mit den vorhandenen Objekten aufzeigen lässt. (Das lässt sich am besten beim Gang durch die Ausstellung nachvollziehen.)

Damals schon, 1982, staunte der große ostbayerische Kunst- und Kremplpapst für Keramik, Steingut und Porzellan, Dr. Endres, über - ja wie soll man das bewerten - den Mut oder sicher im Brembeckschen Sinne eher die Selbstverständlichkeit Gebrauchsgeschirr auszustellen, nicht nur schöne Stücke, exzellente Meisterwerke des Töpferhandwerks, wie es die großen, die anerkannten Museen taten. Auch hier hat sich einiges ge­wandelt, der Mitterfelser Museumsdirektor war hier vielleicht nicht Vorreiter oder Vordenker, an dem sich die anderen orientiert hätten, er war in seiner Auffassung von logischen Zusammenhängen einfach seiner Zeit voraus. In- und ausländische Museumsprofis suchen sein Museum, seine Sammlungen und sein Wissen auf, loben die Vielfalt und die spezielle Art der Präsentation.

Als Sammler hat er zunächst alles mitgenommen, oft gerade noch rechtzeitig und immer getrieben von der Angst, dass alles verschwindet und nix von genau diesem Ausschnitt aus dem „Leben der kleinen Leute” bleibt, was dank seiner Arbeit hier im „Museum der kleinen Leute” (so von Frau Baumann treffend tituliert) heute überlebt hat. So hat er vieles und wohl nicht selten Einmaliges erworben, vor der gedankenlosen Zerstörung oder der Müllhalde bewahrt, hat’s o’g’schmatzt, getauscht, in internationaler Bierkastenwährung erworben oder sonst wie seiner Sammlung einverleibt, - wer’s ganz genau wissen will, erfährt’s noch genauer: „Ah ja, woaßt da’s ä selber, wia’s a so her gäd.” (Originalzitat Brembeck)

Manch unentgeltlicher Facon-Schnitt soll dafür haben herhalten müssen, hört man, - und dem Festredner, der nie bei so was dabei war, drängt sich da zwangsläufig die Szene einer professionellen Nassrasur auf, mit dem ganz scharfen Klappmesser im empfindlichen Halsbereich, während der dann gleichzeitig so ganz beiläufig die Frage nach zwangloser Überlassung irgendeines bedeutungslosen Trumms aus dem Besitz des Barbierten in den Raum tropfte. Da Brembeck Sepp hat auf diese Weise (oiso natürlich nicht auf die letztere) unheimlich viele G’schäftl g’habt, aber nie ein Geschäft daraus gemacht. Er wird als sehr sparsamer, genügsamer Mensch - zu sich selber - beschrieben, solange es nicht um die Verwirklichung eines Anliegens für seine museale Leidenschaft geht.

Da “Josef Brembecksepp” kann auch schwierig sein - na halt, besser trifft es, wenn man sagt, er ist oft nicht einfach, er kann sehr stur sein, a Bummerl, sei es beim Verfolgen eines Ziels, sei es bei einer Meinung. Wenn man ihn aber einmal als Freund gewinnt, ist er lange mit einem speziell, und wenn man ihn braucht, ist er da. Schönere Komplimente (und dieses stammt von Frau Baumann in der Marktverwaltung, die ihm dort die lästigen Verwaltungsangelegenheiten abnimmt) kann man nicht machen. Umgekehrt ist er dankbar, das soll ich unbedingt zur Sprache bringen, seinem Freund und entscheidenden Partner in Sachen Museum: Werner Lang - und nicht zuletzt all den Freiwilligen, die all die Jahre an den Wochenenden den Museumsdienst übernommen haben.

Der Landkreises Straubing-Bogen hat Josef Brembeck 1983 mit der höchsten Auszeichnung für „hervorragende Leistungen um Heimat, Kultur und Brauchtum” geehrt, mit der Josef-Schlicht-Medaille. 1992, im Jahr der Bauern in Bayern, verlieh ihm der Bayerische Ministerpräsident in München (im Cuvilles-Theater) die Medaille „Für vorbildliche Heimatpflege” ... „in Würdigung herausragender Verdienste um die regionale Kultur”. Das Mitterfelser Museum hatte das Bauern-Jahr und seine große Landesausstellung im nahen Straubing um eine höchst beachtenswerte Sonderausstellung, um ein wahres Highlight bereichert, um ein hohes Licht zum Thema Beleuchtung „Vom Kienspan bis zum bäuerlichen Wasserkraftwerk”.

Abschließend muss noch eine Facette des Multitalents Brembeck besonders gewürdigt werden: Der Krippenbauer. Sein Interesse an der volkstümlichen Umsetzung des christlichen Heilsgeschehens ist aus der eigenen elterlichen Hauskrippe entstanden. Neben seiner Sammlerleidenschaft hat er eigene, außergewöhnliche Museumsstücke geschaffen: Er ist ein begnadeter Krippenbauer, weniger ein Figurenschnitzer als ein Gestalter ganzer Szenen auf Straßen und Plätzen vor theaterartigen Kulissen. Seine Josefs und Marias brauchen unabdingbar einen „kernigen Bau” dazu, mit unzähligen, draußen irgendwo beobachteten Details, die er auf seiner Festplatte abspeichert und sie hineinkomponiert in frei gestaltete, aber sehr wohl durchdacht proportionierte und zu einander komponierte Gebäude, mit denen er diese theatralische Tiefenwirkung erzielt. Krippen baut er - und was für welche - aus reiner Freude an der Sache, nicht um sie zu verkaufen oder sich selber darzustellen, das muss man nicht lange hinterfragen, das sieht man seinen einmaligen Werken an! Er hat sich die handwerklichen Fähigkeiten, die Konstruktion, die Schreinerei und Schnitzerei selber beigebracht und entwickelt, muss Anfragen nach Bauplänen enttäuschend bescheiden, weil’s die nur in seinem Hirn gibt. Daraus sind fast 10 große, riesige muss man sagen, 3-dimensionale Inszenierungen der Weihnachtsgeschichte entstanden, Gebäude und Kirchenkulissen, wie man sie bestenfalls in den großen Krippen der großen Kirchen findet.

So - und jezd g’langst! Der Vortragende verzichtet darauf, seine spezielle Freude zu schildern, als er auf dem Dachboden versteckt die letzten Weichenlaternen des Mitterfelser Bahnhofs hervorblitzen sah samt der zugehörigen Stellwerkseinrichtung, die der Sepp im rechten Moment gerade noch an Land gezogen hat, ehe sie im Schrott verschwanden....... woaßt da’s eh selber, wia’s a so gäd.

Wünsche nach einem langen Leben bei vollem Geist sind in der Realität recht hohl, weil nicht beeinflussbar - aber was „man” sich wirklich für alle Beteiligten an diesem großartigen Haus wünscht, ist eine für alle glückliche, zufriedenstellende, dauerhafte Lösung für die Zukunft der Eigentumsverhältnisse. Das darf ich hier schon ganz vorsichtig anreißen.

Ein Inventar wär auch nicht schlecht und eine Erläuterung zu jedem einzelnen Trumm, dessen Sinn, Funktion, Wirkungsweise vergessen zu werden droht - und das gilt bei den Jungen schon für einen Rosenkranz, wie er mir so ganz beiläufig, betroffen wissen ließ.

Es gibt schon zu denken, wie weit wir es gebracht haben im frühen 3. Jahrtausend nach Christi Geburt, wo ein Kreuz in der Schule in Frage gestellt wird, wir aber ein hohlköpfiges Kürbisspektakel beängstigend wie beneidenswert schnell in unsere Kultur übernehmen und die einst gnadenreiche Adventszeit nur noch für gnadenlosen Kommerz herhalten muss, wenn’s täglich auf den Weihnachtsmärkten wieder „scho glei dumpa wird” und zu nie „süßer klingenden Glöcklein” der Glühwein besinnlich in die Köpfe steigt ...

Des hab’ ich los werden wollen, auf deinen Wunsch lieber Sepp, vor dir, vor euch, vor Ihnen, „Grousschedladn und Kloaschedladn”, wie der Sepp zu sagen pflegt, und vielleicht war’s aso in deinem Sinn, woast as ja selba wieas a so hergäd.

Fotos: Hannes Lehner

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