Besucher auf dem Dachboden der Neukirchner Kirche – dem Teil, der 1758 erbaut wurde. Fotos: Alois Früchtl
Hinter die Kulissen geschaut
„Denk mal“, so predigte Pater Simeon im Gottesdienst in der Pürgler Kirche, der zum Beginn des Tags des offenen Denkmals in Pürgl gehalten wurde. Er wies auf die Generationen vor uns hin, die hier Ruhe und das Gebet gesucht haben.
Thomas Kammermeier beim Erläutern der beeindruckenden Deckengemälde
Im Anschluss und auch am Nachmittag standen die Besucher im Vordergrund, Besucher vor allem aus der näheren Umgebung, aber auch aus Dachau oder Nürnberg, die aus Fachmedien von Pürgl erfahren haben und diesen Tag nutzten, um auch hinter die Kulissen dieses Kleinods im Barock zu schauen. Besonders geschätzt wurden von den Besuchern die Einzelgespräche mit den Mitgliedern des Eigentümers, des Fördervereins Kirche Pürgl e. V., die sich Zeit genommen haben, um die Details der hochwertigen Schnitzkunst oder der farbprächtigen Deckengemälde bis ins letzte Detail zu erklären.
Auch ein besonderer Gast war angereist
Es fand sich auch ein besonderer Gast in Pürgl ein, ein Nachfahre der Ursenpecks. Diese haben 1331 das „Pürglein“ erbaut, eine bereits verfallene Burg auf einer Anhöhe neben der Ortsdurchfahrt von Pürgl.
Wolfgang Kraus gab ein Konzert auf der historischen Orgel mit Stücken aus der Erbauungszeit.
Den Abschluss gab Wolfgang Kraus mit einem Konzert auf der historischen Orgel. Der ehemalige Regensburger Domspatz und studierte Musikwissenschaftler gab Stücke aus der Erbauungszeit der Orgel zum Besten. Bereits sein Vater, Eberhard Kraus, ehemaliger Domorganist in Regensburg, kam durch seine Tätigkeit als Orgelsachverständiger der Diözese Regensburg bereits mit dem Instrument in Kontakt. Das besondere Instrument, das am 12. Januar 1803 in Pürgl aufgestellt wurde, muss noch einer Restaurierung unterzogen werden. Die Spenden des Denkmaltages und für das Orgelkonzert kommen dieser zugute.
Im Zollhaus mussten Händler früher bezahlen
Rund 200 Meter entfernt war auch das ehemalige Zollhaus geöffnet. Die Eigentümerin, Heidi Pielmeier, zeigte ihr Schmuckstück den Interessierten. In liebevoller Kleinarbeit hat sie dieses kleine Häuschen zu neuem Leben erweckt. Das alte Zollhaus wurde früher als Zoll- bzw. Mauthäuschen für die alten Handelswege genutzt. Zentral am Bach, am Taleingang gelegen, haben hier die Burgherren zum „Pürglein“ Weg- und Brückenzoll kassiert.
Heidi Pielmeier im Zollhäusl erläutert anhand einer Dokumentation „vorher – nachher“.
Heute dient das Häuschen als Ferienhäuschen und bietet Ruhe und Erholung. Weiterhin bietet die Eigentümerin dort noch Kurse für Naturkosmetik und Naturapotheke an.
Besucher auf dem Kirchturm in Neukirchen bestaunten das Uhrwerk
„Da sind ja doch a paar Leute gekommen“, sagte Pater Simeon, als er zur Glockenturmführung in die Neukirchner Kirche kam. Rund 25 Personen kletterten bei der ersten Führung auf Turm und Dachstuhl. Eine Besonderheit war die noch original erhaltene Kirchturmuhr, das mechanische Uhrwerk, das bei der Kirchenerweiterung 1898 eingebaut wurde. Das gewaltige Gewicht dazu und der Glockenturm begeisterten die Gäste. Besondere Freude hatte Pater Simeon, als er das Glockengeläut vorführen durfte. Die große Glocke mit einem Relief des heiligen Martin ist weithin durch ihren besonderen Klang bekannt. Die Glocken stammen aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, die Originale aus dem Turmbau sind leider einer anderen Verwendung zugeführt worden.
Im Dachboden des Kirchenschiffs
Im Anschluss ging es weiter auf den Dachboden des Kirchenschiffs. Besonders bemerkenswert sind hier die Unterschiede am Gebälk der ersten Kirche von 1758 und der Erweiterung von 1898. Die ursprüngliche Kirche war ungefähr halb so groß, und der Turm, in barocken Stilformen errichtet, hatte einen Zwiebelturm. Besonderheiten der Kirche sind neben der Einrichtung, die einheitlich aus der Erbauungszeit um 1760 stammt, ein repräsentatives Spätrokoko. Weitere Besonderheiten sind ein spätgotischer Taufstein von um 1500 und der im Chor befindliche Grabstein des Adam Leopold von Rehling, dem Erbauer der Kirche in Pürgl.
Pressemitteilung Förderverein/BOG Zeitung/frü vom 17. September 2026 (Gen. der Lokalredaktion)




