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Sie bleiben in Erinnerung (11) Der We(g)-Mo

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Von Amts wegen hieß der Weg-Mann Straßen-Aufseher.

Da hätte es sein früherer Titel „Straßenwärter“ schon richtiger getroffen; denn mit Aufsicht allein ...

... war es nicht getan, das eigene feste Zupacken stand obenan. So kennen wir ihn als vertrauten Weggesellen. Wir tausch­ten mit ihm Gruß und ein paar Worte, wie er‘s verdiente. Wir schätzten seine Arbeit und nahmen sie doch für so selbstverständlich, dass sie keinem des Fotografierens wert schien. Kein einziges Bildchen konnten wir auftreiben, das den Wegmann mitten in der Arbeit zeigt, mit Schaufel und Wasserhaue, mit Krucke und Besen und mit dem unentbehrlichen Schnappkarren.

Dass die Arbeit nicht abriss, dafür sorgten die Frostaufbrü­che im Auswärts und die Regengüsse im Sommer. Immer wieder waren Ablässe und Kanäle verlegt und im Dorfbe­reich vom freilaufenden Hühnervolk fleißig eingeebnet. Mit Sand und Quarzschotter waren die vielen Löcher zu flicken, der Lastwagen hatte das Material in regelmäßigen Abständen zu Haufen geladen. Den Sand musste sich der Wegmann selber graben, bis zu 15 Kubikmeter kamen da zusammen. Die Sandgruben beim Dietl in Kreuzkirchen und beim Baumgartner Jakl nahe Rogendorf finden wir noch heute. Jeden Herbst kam ein Waggon Schotter. Auch hier ging das Umladen und Abladen in Handarbeit. Ein Pau­sieren gab es nicht; höchstens dass sich einer, wenn es ganz schlimm kam, irgendwo unterstellte. Dann zeigten der Karren an der Straße und ein eingestecktes Täfelchen an, dass unser Mann hier „um die Wege“ war. Im Stunden- und Betriebsbuch wurden alle Tätigkeiten für die monatliche Lohnabrechnung festgehalten – die meisten unserer Stra­ßenwärter waren ja als „Arbeiter“ eingestuft.

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Berr Johann (über den Tochter Anna Stettmer im anschließenden Beitrag berichtet) und Duschl Georg (rechts), von dem schon Vater und Großvater Weg-männer waren. - Fotos bei Familie Stettmer und Duschl

Die zugewiesenen Strecken betrugen um 7 bis 10 km. Jede hatte ihre Eigenheiten und „Mucken“, ob nun mit stei­len Höhen draußen oder mit den langen Ortsdurchfahrten, mit Hofeinfahrten, Zäunen und den Dachwasserableitun­gen. Die Staatsstraße von Agendorf her, einschließlich der Mitterfelser Durchfahrt und bis hinter zur Aschaer Abzwei­gung war dem Xaver Brandl aus Agendorf zugeteilt. Die an­schließende Strecke bis zur Bachbrücke hinter Konzell-Süd betreute Xaver Duschl aus Mitterfels. Für die Staatsstraße Mitterfels-Pilgramsberg war um 1930 Nikolaus Stahl aus Ascha, nach 1945 der Neubürger Adolf Steffan aus Mitter­fels zuständig. Nikolaus Stahl zog 1934 nach Bogen und erhielt dann die Kreisstraße Oberalteich-Mitterfels sowie die kreiseigene Bahnhofstraße übertragen. Als er dann in den Aufsichtsdienst wechselte, wurde Johann Berr aus Kreuzkirchen sein Nachfolger. Der Straßenwärter Rinkl aus Au b. Ascha versorgte ein Stück der Bundesstraße Au-Stallwang; dies war die einzige Teerstraße im ganzen Kreis.

Zu größeren Baumaßnahmen wurden die Straßenwär­ter der ganzen Umgebung zusammengezogen. Für den Schneeräumdienst konnte jeder Straßenwärter selbst Leu­te einstellen. Bis zu 30 Leute waren es manchmal, wenn die Hohlgassen brettleben verwachelt waren, dass auch der hölzerne Schneepflug nicht mehr durchkam. Für jeden Bereich gab es einen Vertragsbauern, der das Pferdege­spann stellte und bei dem der Schneepflug gelagert wurde: Der Bauer Wolf von Menach befuhr die Bogener Straße, klappte dann nach der „Vogelhöhe“ die Flügel zusammen und fuhr „leer“ zur Bahnhofstraße, die gleichfalls zu sei­nem Bereich gehörte; der Straßbauer räumte nicht nur die Straubinger Strecke, sondern auch noch die Staatsstraße bis Pilgramsberg; der Reiner von der Obermühle über­nahm die Strecke von Mitterfels bis Konzell-Süd. Mit Schel­lengeläute kündigten die Schneepflüge ihr Nahen an. Zum Ausweichen wurden die beiden Flügel zusammengeklappt.

Einen Winterdienst besonderer Art gab es einmal für den Berr Johann: Er wurde für zwei Tage in das völlig verschnei­te Englmar geschickt. Bis 11.00 Uhr nachts wurde gearbei­tet. Berr machte sich dann noch auf den Heimweg und kam nach 3½-stündigem Marsch durch Kälte und Schnee in seinem Kreuzkirchen an, den Schnurrbart voller Eiszapfen.

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Abb. unten links: Xaver Brandl († 1981)erntet die ersteigerten Straßenäpfel. - Unten rechts: Die Wegmänner Berr Johann (Bildmit­te) und Kräh Karl (Englmar) zum Ende treuer Dienste mit Landrat Xaver Hafner (2. v. re.) – Foto-Scans aus: Bilder erinnern …

Nach getaner Arbeit rückte im Sommer der Wegmann nochmals aus, um das Gras von Straßengräben und Bö­schungen zu heuen. Ein bis drei Mark pro Kilometer Graben­länge hatte er dafür Pacht zu zahlen. Auch beim Steigern des Straßenobstes wurde der Wegmann berücksichtigt. Un­ser Bild zeigt den Brandl Xaver, wie er mit seinem häufigen Helfer Baptist Dietl die „Rheinischen Bohnäpfel“ erntet - die beliebteste Sorte an den Straßen, weil sie am wenigsten gestohlen wurde und sich am längsten hielt.

Als einer um den andern unserer braven Wegmänner in Rente ging, ging mit ihnen ein Dienst alter Prägung zu Ende. Auto und Maschine, Sprechfunk und mobile Trupps wurden jetzt Selbstverständlichkeit. Wie oft hatte sich der Berr Johann gewünscht, dass „seine“ Straße einmal ge­teert würde. Als es soweit war, hatte er eben sein Bierkrü­gerl und den Geschenkkorb bekommen für treue Dienste, und er hat nur noch zuschau‘n können.

Quelle: Franz Wartner, Bilder erinnern …, 1983, Druck Franz Stolz

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