Mitterfelser Kalenderblatt - 11. Oktober: Räuber und Gendarm - Ein Kriminalfall aus dem Jahre 1902
Geschrieben von: Alois Bernkopf   
Freitag, den 26. August 2011 um 08:22 Uhr

Polizist wurde lebensgefährlich verletzt


 

 

Durch Zufall erreichte den Ar­beitskreis Heimatgeschichte Mitterfels eine Mitteilung über ein Verbrechen, das sich am 11. Okto­ber 1902 zwischen Mitterfels und Haselbach ereignete. Dabei wurde der Gendarm Karl Maier aus Mit­terfels durch Pistolenschüsse le­bensgefährlich verletzt.

 

Karl Maier (1865 bis 1938) war der Großvater des heute in Strau­bing lebenden Geschwisterpaares Maria und Herbert Maier. Ihr Vater war unter anderem Lehrer in Wal­tendorf und über 20 Jahre Schullei­ter in Straßkirchen. Maria Maier war lange Jahre als Beamtin im Postdienst beschäftigt, Herbert Maier war von 1970 bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand 1991 Stud.-Dir. am Ludwigsgymnasium Straubing.

Über dieses Verbrechen wurde im "Straubinger Tagblatt" unter "Nachrichten aus Niederbayern" in drei aufeinanderfolgenden Ausga­ben am 14., 15. und 16. Oktober 1902 berichtet. Karl Maier war infolge der Schussverletzungen nicht mehr dienstfähig und wurde am 1. Juli 1903 im Alter von 37 Jahren in den Ruhestand versetzt. Kurz vor seinem Tode 1938 schrieb Karl Maier diesen Vorfall für seine Kinder und Enkel nieder. Die folgenden Ausführungen stützen sich auf die Niederschrift von Karl Maier und auf die erwähn­ten Zeitungsberichte.

 

„Schieß ihn nieder, weil er frech ist ... !"

 

Am 11. Oktober 1902 kam der Wagnermeister Johann Wirth aus Haselbach gegen 11 Uhr nachts in die Gendarmeriestation Mitterfels (heute Burgstraße 20). Er weckte den Gendarmen Karl Maier und berichtete, dass er auf dem Heimweg vom Haselbacher Wirtshaus (Häusl­betz) zu seiner Wohnung (heute Au­tohaus Engl) von zwei Männern auf­gehalten worden sei, die ihn fragten, wer er sei. Worauf Wirth antwortete, das gehe sie nichts an. Einer der beiden rief: "Schieß ihn nieder, weil er frech ist!" Wirth hörte das Ziehen eines Revolvers und schon krachten drei Schüsse, wobei ihm die Kugeln um die Ohren sausten. Er ergriff die Flucht und versteckte sich. Als er bemerkte, dass die Männer auf der Straße in Richtung Mitterfels gin­gen, lief Wirth, der als schneidiger Mann bekannt war, ebenfalls in ei­niger Entfernung in Richtung Mit­terfels, "um mit Hilfe der Gendar­merie die Wegelagerer zu erwischen."

 

Die Jagd auf den Verbrecher

 

In der Gendarmeriestation be­richtete er Karl Maier von dem Vor­fall. Dieser veranlasste Wirth, den Gendarmerie-Sergeanten Bauer, der sich in der Amberger Gaststätte (heute "Friedenseiche") aufhielt, zu holen. Die beiden Gendarmen mach­ten sich zusammen mit Wirth auf den Weg in Richtung Haselbach. "Es regnete und schneite, wobei ich eine Blendlaterne mitnahm", schreibt Maier. Einen Kilometer außerhalb des Dorfes Richtung Rogendorf hörten sie beim Bachmeier Viehhand­lerhaus, dass dort Fensterscheiben eingeschlagen wurden. Als sie sich dem Haus näherten, fielen drei Schüsse. Gendarm Maier wurde an der Brust und am Arm getroffen. Trotz der Verwundung verfolgte er den fliehenden Einbrecher mit gela­denem Gewehr. Als dieser stolperte, versuchte er ihn festzuhalten; dabei wurde Maier durch einen weiteren Pistolenschuss am Hals getroffen.

 

Dem Sergeanten Bauer gelang es mit Hilfe Wirths und des Eisenbahnar­beiters Kiefl, der im Hause Bach­meier wohnte, "einen der beiden Unholde zu entwaffnen und dingfest zu machen, während der andere Strolch die Flucht ergriff". 

 

,, Voller Blut, mit Tüchern verbunden ... "

 

Über sein Befinden berichtet Karl Maier: "Mich brachten Frau Bach­meier und ihre Tochter vom Feld weg ins Haus, verbanden mich not­dürftig und brachten mich nach Hause. Meine Frau erschrak fürchterlich, als sie mich sah: voller Blut, mit blutgetränkten Tüchern verbun­den, an beiden Armen geführt und nicht mehr gehfähig! Sofort kam der von der Bachmeiertochter verstän­digte Arzt Dr. Hornef. Man schnitt mir die Kleider vom Leibe und legte mich ins Bett. Hornef ließ Pfarrer Hüttinger zum Versehen holen und veranlasste gerichtliche Verneh­mung. Kaum war der Geistliche ge­gangen, trat Oberamtsrichter Radler an mich heran, ließ sich berichten und belehrte mich über den Eid, den ich leisten musste und hielt mir bei der Abnahme die Hand hoch, die ich nicht mehr heben konnte.

 

 

Der Arzt stellte drei Schussverletzungen fest

 

Ich sagte ihm, dass ich ein sehr starkes Brennen in der linken Brust­seite spürte. Er rief den Arzt aus dem Nebenzimmer zurück, der sich obwohl ich vorher 180 Pfund gewo­gen hatte. Ich hatte lange Zeit nur Saft und Milch aus einer Saugfla­sche zu mir nehmen können. Es dau­erte fünf Monate und zehn Tage, bis ich aufstehen und wieder gehen ler­nen konnte. Wir hatten eine sehr schwere Zeit durchzumachen. Wir hatten dauernd eine Kranken­schwester und eine Magd im Haus. Zum Verbinden musste immer der Bader helfen. Die Zeitungen hatten geschrieben, ich sei gestorben und deshalb kamen dauernd Beileids­briefe an meine Frau, auch von fremden Leuten."

 

Der Prinzregent schickte 100 Goldmark

Abschließend berichtet Karl Maier 1938: "Gefreut hat mich in diesen Wochen die Anteilnahme des Prinzregenten Luitpold von Bayern. Gleich in den ersten Tagen schickte er über das Bezirksamt Bogen 100 Goldmark. Jeden zweiten Tag muss­te Dr, Hornef auf dem Dienstweg dem Prinzregenten einen Bericht über mein Befinden erstatten. Ein­mal schickte er mit sogar seinen Leibarzt! "

Durch die Folgen der Schussver­letzungen wurde Karl Maier nicht mehr dienstfähig und wurde am 1. Juli 1903 in den Ruhestand versetzt.

Mit Verdienstorden des Königs ausgezeichnet

An seinem neuen Wohnort in Grafenau wurde Karl Maier im Juli 1903 das nachfolgende Schreiben für die Entgegennahme der Aus­zeichnung mit der "Goldenen Me­daille des königlichen Verdienstor­dens der bayerischen Krone" zuge­stellt.


 

Alois Bernkopf (SR-Tagblatt, 26.8.2011)

Erstabdruck im Mitterfelser Magazin 15/2009, S. 128 f, mit Fotos und Quellentexten


 

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 14. Januar 2012 um 21:37 Uhr
 

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