Ein Abschied, der nicht ganz endgültig ist

Neueder wEin Abschied als Kreisheimatpfleger, aber nicht als Heimatforscher: Hans Neueder (links) mit Landrat Josef Laumer. (Foto: map)

Hans Neue­der ist nun nicht mehr Kreis­hei­mat­pfle­ger – Er wird aber wei­ter­for­schen


Straubing-Bogen. Eine Autobiografie wird er nicht schreiben, denn „Selbstdarstellungen liegen mir nicht“, wie Hans Neueder bei seiner offiziellen Verabschiedung als Kreisheimatpfleger am Montag im Landratsamt sagte. Weiterhin heimatforschend Bücher verfassen will er allerdings sehr wohl – und kündigte das nächste mit dem Titel „Aufgespürt“, das Lebensbilder früherer Zeit zurück in die Erinnerung rufen wird, gleich fürs nächste Jahr an. Es werde rechtzeitig vor Weihnachten 2018 fertig, um dann als Geschenk dienen zu können, scherzte er.
Jetzt, in der Weihnachtssitzung des Kreistages, gab es aber – nach einem Klarinetten-Beitrag von Kreismusikschulleiter Andreas Friedländer und den Schülerinnen Magdalena Karl, Theresa Meusel und Anna Schedlbauer – erst einmal für ihn selbst ein Geschenk, das ihm Landrat Josef Laumer überreichte. Laumer betonte, eine solche Verabschiedung müsse schon würdig ausfallen und dürfe nicht einfach so nebenher geschehen – denn 26 Jahre lang forschte und schrieb Neueder als Kreisheimatpfleger zu Geschichte und Brauchtum im nördlichen Teil des Landkreises Straubing-Bogen.

Schwierige Nachfolgersuche

Einen geeigneten Nachfolger zu finden, sei „sehr, sehr schwierig gewesen“, bekannte der Landrat. Ein ganzes Jahr lang war gesucht worden; zum 1. September hat das Amt dann schließlich der ehemalige Schulamtsdirektor Johannes Müller übernommen – und von Hans Neueder 20 Aktenordner geerbt, „prall gefüllt“ mit Forschungsergebnissen und „mit tausenden Fotos“: Schmunzelnd erzählte das der Landrat bei der Sitzung. Für Erheiterung sorgte weiterhin eine Anekdote, wie der Eigentümer einer Kapelle einmal schreiend herangerannt kam, als der damals noch junge Kreisheimatpfleger dort fotografierte: Der Eigentümer wähnte einen Dieb beim Ausspähen von Kunstgegenständen am Werk . . . Hans Neueder selbst erntete Lacher, als er in seinen Dankesworten nach der Laudatio sagte, sein zweijähriger Enkel Lorenz sei genau wie er selbst: „Neugierig, immer unterwegs – und deshalb sehr anstrengend.“

„Viele Themen im Kopf“

Die Neugierde hat Hans Neueder nicht verlassen, auch wenn er jetzt ein ehemaliger Kreisheimatpfleger ist: Solange es ihm möglich sei, wolle er für Führungen, Exkursionen, Vorträge und Projektbeteiligungen zur Verfügung stehen, kündigte er an. Seinem Nachfolger werde er, wenn nötig, mit Rat und Wissen zur Verfügung stehen. Und weiter forschen und schreiben: „Im Kopf warten noch viele Themen auf ihre Fertigstellung.“ Neueder zählte zahlreiche seiner Weggefährten auf, die befruchtend zu seinem Ehrenamt beitrugen – ganz besonders legte er den Kreisgremien dabei die Bedeutung des Kreisarchäologen Dr. Ludwig Husty und der Kreismuseumsleiterin Barbara Michal ans Herz – und betonte, dass alle drei Landräte, unter denen er Kreisheimatpfleger war, ihm stets wohlwollend die Freiheit gelassen hätten, das Ehrenamt so zu gestalten, wie er sich das vorstellte. „Sie interessierten schon immer die Menschen mit ihren Geschichten, die sie Ihnen zuhause auf ihren Hofstellen erzählten“, so hatte Josef Laumer in der Laudatio den Bericht über Neueders Werdegang als Heimatforscher begonnen. Laumer schilderte Neueder in dem umfassenden Rückblick als Archivpfleger der Stadt Bogen, als Leiter des Kreismuseums und als Kreisheimatpfleger. Dem Museum, das er 18 Jahre lang ehrenamtlich leitete, stehe er bis heute als sachkundiger Führer zur Verfügung.

Abschreiben war tabu

Von Neueders zahlreichen Veröffentlichungen erwähnte er ausdrücklich das Buch „Der Bogenberg in Niederbayern“, das „von Experten für seine neuen Erkenntnisse weit über die Grenzen des Landkreises und Niederbayerns hinaus gelobt wurde“. In diesem habe Neueder zum ersten Mal aufgeschlüsselt, wie die Anfänge der Wallfahrt auf den Bogenberg aussahen. Die erstmalige Datierung des steinernen Marienbildes auf das 13. Jahrhundert stamme ebenfalls von ihm. Qualität und wirklich neue Erkenntnisse seien ihm wichtig gewesen. „Abgeschriebenes haben Sie nie veröffentlicht.“ Entsprechend gut sei Neueders Ruf. Laumer führte die zahlreichen Ehrungen auf, die Neueder schon erfahren hat – unter anderem ist er einer der Träger der Josef-Schlicht-Medaille, mit der nur ganz wenige Landkreisbürger für ihr Wirken auf dem kulturellen Sektor geehrt werden. Der Landrat zeigte sich sodann sehr glücklich darüber, dass Neueder seinen Forscherdrang auch künftig noch ausleben wird, und rief ihm am Ende zu: „Wir warten gespannt auf Ihre neuen Forschungsergebnisse!“

Quelle: map/BOG Zeitung (Zeitversetzte Übernahme aufgrund einer Sperrfrist)

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