1000 Folgen und kein Ende in Sicht

Josef Fendl1Der „bayerische Autor“ Josef Fendl in seinem Büro. Seine eigenen Veröffentlichungen hat der 88-Jährige ganz unten im Regal eingereiht. (Fotos: lui)  

Josef Fendl verfasst seit Jahrzehnten das bayerische Sprachquiz für die Zeitung

Bayerischer Autor – ja, diese Bezeichnung beschreibe ihn wohl am ehesten, sagt Josef Fendl über sich selbst. Tatsächlich fällt es schwer, das Werk des 88-Jährigen begrifflich zu fassen. Er macht Dichtung und Prosa, ist aber auch einer, der Aussprüche anderer sammelt und herausgibt. An die 70 Bücher hat er im Laufe seines Lebens veröffentlicht, der überwiegende Teil seines Portfolios ist in Mundart verfasst. Josef Fendl schafft Poesie für das Volk, in dessen Sprache. Zeitungslesern ist der in Schwarzach aufgewachsene und heute in Neutraubling lebende ehemalige Lehrer, der auch elf Jahre lang den „Straubinger Kalender“ herausgegeben hat, durch das „Fendl-Quiz“ bekannt, ein bayerisches Sprachquiz, das regelmäßig in der Wochenendausgabe des Straubinger Tagblatts und der Bogener Zeitung zu finden ist. Demnächst steht die 1000. Folge an. An die Anfänge seines Dialekttests erinnert sich Josef Fendl noch gut. 1987 stand die Veröffentlichung seines Taschenbuches „Weiß-Blaues schwarz auf weiß“ bevor. Um auf dieses aufmerksam zu machen, hat Fendl in geringer Auflage ein kleines Werbeheftchen drucken lassen, das er kostenlos verteilte. Darin: die Urform des „Fendl-Quiz“. Gefragt wurde nach der Bedeutung von 109 bildhaften Begriffen aus der bairischen Sprache, hinzu kamen jeweils drei mögliche Antworten. „Die Auflösung mit etymologischer Begründung gab es dann aber nicht in dem Heftchen, sondern in meinem Buch.“ Als Josef Fendl das erzählt, sitzt er daheim in seinem Esszimmer in Neutraubling und hat das Werbeheftchen – „Hexenzeugs und Flitscherlbenzin“ hat er es damals betitelt – und das zugehörige Taschenbuch vor sich liegen. Dass sich das daraus entstandene Sprachquiz zu einem derartigen „Dauerbrenner“ entwickeln würde, das habe er freilich nie gedacht, sagt er.

Josef Fendl2Aus dem Inhalt eines „Werbeheftchens“ für das Buch „Weiß-Blaues schwarz auf weiß“ ist das heute bekannte Fendl-Sprachquiz „Woaßt as?“ entstanden.

Ungeahnterweise wurde das Sprachquiz zum Dauerbrenner

Bereits kurz nach Erscheinen seines „Weiß-blauen“ Buches wurde der erste Dialekttest in der Heimatzeitung abgedruckt. Anfänglich gab es das Quiz nur in der Donau-Post, später, ab 1998, auch im Straubinger Tagblatt und in der Bogener Zeitung. Was eine „Heilig-Geist-Kugel“ ist (weder der beleibte Domkapitular noch der Blechknauf an der Kirchturmspitze, sondern eine bäuerliche Einricht-Arbeit) und worum es sich beim „Brathendlfriedhof“ handelt (nämlich um einen mordstrumm Bauch), waren Fragen der ersten Stunde. Am 24. Juni steht die 1000. Folge von „Woaßt as?“, so die offizielle Betitelung des Quiz, an und ein Ende ist nicht in Sicht: Josef Fendl hat noch vorbereitete Dialekttests „für ein paar Jahre“ in der Schublade liegen. Probleme, Begriffe für sein Sprachquiz zu finden, hatte er bis dato übrigens nie. Auch deswegen nicht, weil er, sobald er etwas Passendes aufschnappt, dieses auf einem Zettel notiert und archiviert. Hat sich genug angesammelt, wird es systematisch niedergeschrieben. Nicht am Computer, sondern auf der alten Olympia-Schreibmaschine. Diese leiste ihm nun schon seit fast 70 Jahren treue Dienste, sagt Fendl. „Aber in letzter Zeit, da hat sie ein bisschen nachgelassen ...“


Die erste Veröffentlichung liegt 53 Jahre zurück und war ein Jugend-Sachbuch

Er selber fühlt sich mit seinen 88 Jahren noch fit. „Geistig wie körperlich, dafür bin ich sehr dankbar.“ Die vielen Lesetouren, auf denen er früher unterwegs war, erspart sich Josef Fendl aber mittlerweile trotzdem. „Ein paar stehen noch an, die ich nicht absagen will – aber dann war es das.“ Der 88-Jährige will es künftig etwas „gesetzter“ angehen lassen. Aus diesem Grund betrachtet er auch die 2016 erschienene Gedichtsammlung „Onkel Janus lässt grüßen“ als seine letzte Veröffentlichung. Die erste liegt mittlerweile 53 Jahre zurück und hat rein inhaltlich wenig mit dem Werk zu tun, durch das Fendl heute bekannt ist: Das 1964 erschienene Jugend-Sachbuch „Die Welt – das große Abenteuer“ befasst sich, wie der Titel schon sagt, mit der Entstehungsgeschichte der Welt und ist aus einer Sammlung von Artikeln entstanden, die Fendl seit Ende der 40er-Jahre für eine Jugendzeitschrift verfasst hat. „Eines Tages meldete sich ein Verleger aus Eupen im heutigen Belgien bei mir und hat gesagt, dass er aus meinen Beiträgen ein Buch machen will“, erinnert sich Fendl. „Da war ich schon ein bisschen stolz ...“ Tatsächlich hat ihn sein erstes Buch sogar zu einem internationalen Autor gemacht, doch das weiß Josef Fendl erst seit Kurzem: Ein Jahr nach dem Erscheinen ist es ins Spanische übersetzt worden. Nur durch Zufall ist seine Tochter jüngst beim Erstellen einer Bibliografie über „La gran aventura del mundo“ gestolpert – die spanische Ausgabe von „Die Welt – das große Abenteuer“. Der belgische Verleger hatte es auch im Ausland auf den Markt gebracht. „Aber da hat er mir nie etwas davon gesagt ...!“


Auf seine vielen Preise legt Josef Fendl keinen besonderen Wert

Im Verlag des Belgiers, dem „Markus-Verlag“, hat Josef Fendl dann noch einige Erzählungen veröffentlicht, mit, wie er sagt, „alpinem Inhalt“. Erst Mitte der 70er-Jahre kamen die ersten Mundartdichtungen. „Nix wie lauter Sprüch“ machte den Anfang, unzählige weitere Werke, auch in Prosa, sollten folgen. Für seine Verdienste um die bayerische Literatur, aber auch um die Kultur und Heimatpflege ist Josef Fendl mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem Bayerischen Poetentaler, der Josef-Schlicht-Medaille und dem Nordgaupreis des Oberpfälzer Kulturbundes. Ebenso ist er Träger des Bundesverdienstkreuzes. Seine Preise hält der 88-Jährige zwar in Ehren, „aber Wert lege ich auf die Auszeichnungen nicht“, sagt er. Insbesondere sein Bundesverdienstkreuz betreffend ist er sicher: „Es gibt Menschen, die verdienen eine solche Ehrung 1000 Mal mehr als ich ...“ Was Josef Fendl antreibt, ist der Gedanke, mit seiner Literatur Freude zu verbreiten. Seine Devise: „Wenn andere durch mich herzhaft lachen können, dann ist das doch viel mehr wert, als jeder Preis.“

Quelle: Claudia Stecher/BOG Zeitung vom 10. Juni 2017 (Zeitversetzte Übernahme aufgrund einer 14-tägigen Sperrfrist.)

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