Burgmuseum Mitterfels. Vom Wandel und von Verwandlungen

Wandel1 nDie Autoren Wolfgang Hammer (links) und Herbert Becker am historischen Lesepult im Burgstüberl.

Kul­tur­abend mit Wolfgang Hammer, Herbert Becker, Lorenz Räß und Elias Seidenberg

Eine Veranstaltung im Stüberl des Burgmuseums in Mitterfels ist immer etwas Besonderes: Ob ein heimeliger Hoagarten des Obst- und Gartenbauvereins, ob ein Musikabend mit dem Vocal-Ensemble Exsultate oder eine Autorenlesung: Immer lohnt es sich, dabei zu sein. Zum Beginn der Sommersaison hatte der Burgmuseumsverein zu einer Autorenlesung eingeladen. Herbert Becker und Wolfgang Hammer lasen aus eigenen Texten zum Thema „Wandlungen“. Umrahmt wurde der Abend mit Musik von zwei jungen, begabten Jazzmusikern, Lorenz Räß (Trompete/Flügelhorn) und Elias Seidenberg am Piano. Sie begeisterten mit coolem Jazz unter anderem von Eddie Harris und Charly Parker, ein wunderbarer Kontrast zu der Stimmung im historischen Gebäude.

Wolfgang Hammer, Vorstandsmitglied im Museumsverein, kündigte einen Abend mit Lachen und Freude an. Vom allgemeinen Wandel, auch von viel Neuem im Museum sprach Herbert Becker. Er zitierte Goethe und Heraklit und den „Wind des Wandels“ mit seinen Möglichkeiten, aber auch Risiken. Dann machte am historischen Lesepult Wolfgang Hammer den Anfang mit der Geschichte von einer rätselhaften Burg, wo die Elite zu Hause ist. Hier möchte er auch hin, der kleine Häuslerbub Jaro. Die Burg wird für ihn zum Symbol für Glück und Schrecken, für den Antrieb, Karriere zu machen und das Geheimnis des Schlosses zu ergründen, selbst unter Lebensgefahr. Die Wandlung erfolgt, Jaro wird Burgherr und glücklich, allerdings anders als gedacht. Eine kafkaeske, tiefgründige Erzählung.

Wandel2 pAusgezeichneten Jazz spielten Lorenz Räß (rechts) und Elias Seidenberg.

Ganz anders Herbert Becker und seine Erinnerungen als Beobachter in einer großen Firma. Frei erzählte er aus der Welt des Managements, von überflüssigen Angestellten, der „Lähmschicht“, die mit einem neuen Programm gegen Ressourcenverschwendung entfernt werden soll. Ein Strukturwandel, der die Firma zerschlug. Dann ein Gedankensprung hin zu einem wertvollen alten Glas, das der Erzähler zerbrach und damit in Ungnade bei seiner Ehefrau fiel. Auch das ein Strukturwandel, auf ganz anderer Ebene. Nach einem Rundgang durch die zum Teil neu gestalteten Räume und einigen Infos zum Museum, das inzwischen über 1000 neue Sammlerstücke erhalten hat, plauderte Becker über Alois Blümel, einen Menschen, der zwar jeden Wandel scheut, sich aber dennoch einen neuen, energieeffizienten Ofen anschafft und sich im Dschungel der Regeln und Verbote zum richtigen Einheizen verheddert. Dieser „Wandel“ war eindeutig missglückt, zur Heiterkeit des Publikums. Heiterkeit auch über die zweite Erzählung Hammers, eine Satire über den modernen Starkult, über Dummheit und Kritiklosigkeit eines Publikums, das anbetet, was ihm „groß“ und ungewöhnlich erscheint, und über einen Star, der sich wandelt und und befreit. Das Publikum erklatschte sich nicht nur eine Zugabe von den jungen Musikern, sondern auch von den Erzählern: Becker schilderte einen schwierigen Roggenbrotkauf, und Hammer reimte über Wandlungen und Verwandlungen bis hin zur „Unwandelbarkeit der Bayerischen Staatsregierung“.

Quelle: Elisabeth Röhn/BOG Zeitung (Zeitversetzte Übernahme aufgrund einer 14-tägigen Sperrfrist.)

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