Mitten in Bayern. Ein Hoch auf die ou-Laute

Shakespeare englich und bairisch

 

Johannes Kick und Michaela Schnupfhagen (Realschule Vohenstrauß) waren die heimlichen Stars bei der Verleihung des Dialektpreises „Bairische Sprachwurzel“ an den Filmregisseur Marcus H. Rosenmüller am 11. August 2013 auf dem Straubinger Gäubodenfest. Beim Festakt präsentierten die beiden Schü­ler der Realschule Vohenstrauß das Shakespeare-Sonett 18 auf Englisch und Nordbairisch.

Realschüler aus Vohenstrauß beweisen bei der Vergabe des Dialektpreises Bayern, dass Shakespeare und die Oberpfalz sprachlich viel gemeinsam haben.

Neulich ist in München der Dialektpreis Bayern verliehen worden, im Publikum herrschte eine fröhliche Stimmung. Und doch trug sich mittendrin eine deprimierende Szene zu. Die jüngsten Preisträger, die Realschüler aus Vohenstrauß, rezitierten das Sonett 18 von William Shakespeare, und zwar im Original wie auch in der Oberpfälzer Mundart. Es war ein grandioser Vortrag, der belegte, dass hohe Weltliteratur kaum anders klingt als das wegen seiner ou-Laute oft verlachte Idiom der Oberpfalz. In dem Moment, in dem die Schüler diese berührende Liebeslyrik auf Oberpfälzisch rezitierten, lachte das Publikum jedoch lauthals los. Die Gäste reagierten wie im billigen Kabarett allein auf die Intonierung der ou-Laute.

Die Schüler hielten sich souverän zurück und wurden dann auch für ihr Projekt von allen Seiten gelobt. Sie ragten insofern aus dem Reigen der Preisträger heraus, als die meisten den Eindruck erhärteten, hier werde nicht die Vitalität der Dialekte beschworen, sondern eher deren Siechtum. Irgendwie wirkte es sinnbildlich, als sich die Staatsminister Markus Söder und Ludwig Spaenle bei der Ehrung neben die sitzende Mundartdichterin Annemarie Leutzsch, 89, hinknieten wie die Ministranten mit dem Schepperl. Dass die reiche Dialektlandschaft in Bayern schwindsüchtig ist, konnten nicht einmal ehrenwerte Preisträger wie Heißmann & Rassau, die Mehlprimeln und Willy Michl entkräften. Sie verwenden den Dialekt entweder als Kommerzvehikel oder gar nicht mehr - oder sie haben sich selbst überlebt wie der Barde Willy Michl, der seinen Hit "Isarflimmern" zum Besten gab. Wenn Michl dort das Frollein und die Wahnsinnsfrau besingt, dann klingt das weitaus stärker nach Hannover als nach Isar. Andreas Meier, der Landrat von Neustadt an der Waldnaab, macht auf seiner Facebookseite trotzdem ein glückliches Gesicht, dank all der Selfies mit Michl und der Schar der Dialektpromis. Die Preisträger aus seiner Heimat Vohenstrauß aber hat er irgendwie vergessen. Ein Selfie mit den Schülern zeigt der Landrat nicht. Wenigstens handelt er damit frei nach Shakespeares Sonett 18, wo es heißt: "Signifying nothing!" Die Realschüler übersetzten es so: "Wenns Stückl aas is, frougt koi Sau danou!"

Hans Kratzer/Süddeutsche

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