Die Burganlage Mitterfels (Teil 1)

Mitterfels um 1750: Gemälde im Oberalteicher Pfarrhof

Eine weitere Darstellung der Burg Mitterfels mit dem alten Pfarrsitz Kreuzkirchen ist auf einem Gemälde dargestellt, das sich im Pfarrhof Oberalteich befindet (MM 1/1995, S. 6, und als Titelbild im MM 15/2009). Es zeigt eine Szene bei der Übergabe der Schenkungsurkunde durch Graf Aswin und seiner Gemahlin Luitgard an den Abt von Oberalteich. Einen Ausschnitt aus dem Gemälde zeigt das Titelbild des Historischen Atlas von Bayern, Band Mitterfels, München 2002 (MM 9/2003, S. 22). Hier ist bereits die neue Kirche St. Georg zu sehen, die an Stelle der ehemaligen Burgkapelle gebaut wurde, die ebenfalls dem hl. Georg geweiht war. Das Bild gibt einen guten Eindruck von der geringen Größe des Ortes Mitterfels wieder. Dabei dürfte sich seit der Steuerbeschreibung von 1579 wenig geändert haben.

Darin heißt es: Der „Waldort” Mitterfels besteht aus 19 schindelgedeckten Häusern, deren Bewohner überwiegend im Dienste sowie der Sicherung und Versorgung der Burg stehen, 9 davon sind Handwerker und Gewerbetreibende, nur 6 sind kleine Söldner. 4 Häuser gehören Amtspersonen des Pfleggerichts. Eines davon ist das Fürstliche Kastenprobstamt, Gerichtsschreiberhaus (heute Stiegler, Burgstraße 20). Bei der Renovierung im Jahre 1989 stellte sich heraus, dass es bereits im Jahre 1548 erbaut worden war und damit das bis dahin älteste datierte Blockhaus in Niederbayern ist. (Inzwischen weiß man, dass die „Hien­Sölde” noch älter datiert wird.)

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Das frühere Kastenprobstamt (heute Haus Stiegler) in der Burgstraße: Vor der Renovierung, die mit sehr viel Rücksicht auf den historischen Bestand durchgeführt wurde, und nach dem Umbau.

 

Die größeren Höfe, die den Klöstern Oberalteich und Windberg abgabepflichtig waren, befanden sich im Umkreis von Mitterfels. Daran änderte sich auch in den nächsten 200 Jahren kaum etwas. Die „Fassion” (Steuerbescheid) von 1808 stellt für das Dorf Mitterfels lediglich 32 Häuser fest. Diese befanden sich fast ausschließlich in der heutigen Burgstraße.

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Ein Vergleich zwischen dem „Fassionsplan” von 1808 und den Luftaufnahmen von 1941 und 1952 zeigt schon optisch, dass sich Mitterfels in diesem Zeitraum nicht überaus verändert hat. (Ansichtskarten: Elisabeth Aumer)

Landrichter Markus Meier stimmte 1824 dem Antrag der Bogener Bürger zu, den Landgerichtssitz nach Bogen zu verlegen, denn es gebe in Bayern wohl keinen so elenden Gerichtssitz wie in Mitterfels und es gebe auf der schmalen Landzunge auch keine Ausdehnungsmöglichkeit. Auch um die Versorgung stünde es schlecht, da die einzige Landstraße nicht zum Schloss führe, sondern am Rande vorbei (nach Kötzting). Diesem Ersuchen wurde in München jedoch nicht stattgegeben.

034_rentamtDie ungünstige geographische Lage und die schlechte Verkehrsanbindung verhinderten die Entwicklung des Landgerichtssitzes Mitterfels. Der Ort steht seit Jahrhunderten im Schatten des Marktes Bogen. Die wirtschaftliche Entwicklungsachse verlief und verläuft immer noch entlang der Donau. 1838 wurde aus dem südlichen Teil des Landgerichts Mitterfels das Landgericht Bogen gebildet. Mitterfels hatte zwar den größeren nördlichen Anteil und bekam 1860 sogar ein „Rentamt” (Finanzamt), aber bereits 1861 wurde die Verwaltung und Rechtspflege in Bayern getrennt und Bogen wurde Sitz des Bezirksamtes und des Bezirksamtmanns.

1860 bekam Mitterfels ein „Rentamt” (Finanzamt - heute als „Felsenkeller” bezeichnet).

 

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Ausschnitt aus Michael Wenings „Historio-Topographica Descriptio” von 1726

036_burgQuellen:

• Holzfurtner/Pindl: Historischer Atlas von Bayern, Bd. 62, Mitterfels, München 2002

• Bernhard Ernst: Burgenbau in der südlichen Oberpfalz vom Frühmittelalter bis zur frühen Neuzeit, Teil I, Büchenbach 2003

• Max Lachner, 800 Jahre Geschichte um Mitterfels - Zweite, erweiterte Auflage, bearbeitet von Franz Wartner, Mitterfels 1988

• Arbeitskreis Heimatgeschichte Mitterfels, Mitterfelser Magazin Nr. 1-10

• Alois Bernkopf: Pflegerburg Mitterfels wurde saniert, in: Der Bayerwald 4/2001

• Alois Bernkopf: Gemeindebürger sind nun Burgherrn, in: Der Bayerwald 3/2003

Fotos: Alois Bernkopf, Wolfgang Feldmeier (Kastensölde), Martin Graf (Titelbild und nebenstehendes Foto)

Dank an Frau Elisabeth Aumer (Ansichtskarten) und Josef Brembeck (Apiankarte und Foto Votivtafel Yberle)

>>> Es folgt ein 2. Teil.

 

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