Die Burganlage Mitterfels (Teil 1)

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Vom Ministerialensitz zum königlich-bayerischen Amtsgericht

Das Festjahr „800 Jahre Bayerische Rauten” (2004) war nicht nur eine Bogener Angelegenheit, die von Mitterfels und Umgebung nur aus gut-nachbarschaftlicher Sicht betrachtet wurde. War doch die Burg Mitterfels ein Ministerialensitz der Grafen von Bogen, und sicherlich wurden die Urkunden des Gerichtssitzes Mitterfels - nach dem Übergang an die Wittelsbacher - mit dem Erkennungszeichen der „Bogener Rauten” gesiegelt. Ein weiterer Grund für die Beteiligung von Mitterfels: Es gibt im Landkreis Straubing-Bogen keinen vergleichbaren Ort, der bis zur Auflösung des Amtsgerichts im Jahre 1973 eine derartige kontinuierliche Verwaltungsgeschichte vorweisen kann.

Der AK Heimatgeschichte Mitterfels beteiligte sich mit einem eigenen Vortrag mit Power-Point-Präsentation am Festjahr "800 Jahre Bayerische Rauten" mit dem Thema "Die Burganlage Mitterfels. Für die Idee, die Zusammenstellung und den Vortrag zeichnete Alois Bernkopf, die Präsentation erstellte Franz Tosch. Dieser Vortrag wurde danach im Mitterfelser Magazin 11/2005, Seite 13 ff, umgearbeitet.

Berchtoldus de Mitterfels

003_erstnennungAuslöser und Anhaltspunkt für den Termin der 800-Jahrfeier von Mitterfels im Jahre 1995 war die erstmalige schriftliche Nennung des Namens Berchtoldus de Mitterfels in einer Schenkungskunde von Kreuzkirchen an das Kloster Oberalteich durch Adelheid von Runding im Jahre 1194. (Cornelia Mohr datiert in "Traditionen des Klosters Oberalteich" bereits auf die Jahre 1184 - 1188.) Bei dieser Schenkung wird deren Bruder Berchtoldus als Zeuge benannt und als Ministeriale der Grafen von Bogen und Burghauptmann in Mitterfels bezeichnet.

Die Grafen von Bogen

Damit sind wir bei dem schwierigen Kapitel der „Ursprünge der Grafen von Bogen”. Nach neuesten Erkenntnissen (siehe Holzfurtner, Historischer Atlas von Bayern, Bd. Mitterfels, 2002) war diese Familie seit der Jahrtausendwende im Besitz des Landes zwischen Donau und dem Fluss Regen: „...Sie ist in einer sonst nur selten anzutreffenden Intensität prägend geworden für die Geschichte eines ganzen Raumes, und [...] war entscheidend für die Entstehung des späteren Landgerichts Mitterfels.” (S. 15) Ihre Machtfülle und der prägende Einfluss in unserem Gebiet war nicht zuletzt durch ihre Vogteirechte über mehrere Klöster bedingt: wie Prüfening, Niederalteich, Oberalteich, Metten und Windberg.

Die weit verzweigte Sippe tritt in unserem Raum bis zum Jahre 1100 unter folgendem Namen auf: die Grafen von Windberg-Bogen, die Domvögte von Regensburg, die Herren von Zeitldorn (Zidlarin), heute Unterzeitldorn, die Herren von Roth (Kirchroth), die Herren von Weinzier.

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Abb. links: Aswin von Zeitldorn und Friedrich II., dargestellt auf einer Grabplatte in der Klosterkirche Oberalteich - Abb. rechts: Besitzverhältnisse der Grafen von Windberg-Bogen und der weitverzweigten Sippe (Quelle: Historischer Atlas von Bayern, Bd. Mitterfels, S. 30)

Der erste aus der Familie der Grafen von Windberg-Bogen, der den Titel „Graf” führt, war Aswin von Zeitldorn. (Ein Altweg führte von Straubing über Unterzeitldorn, Münster nach Falkenfels.) Dieser Aswin gründete mit seinem Neffen Friedrich II., Domvogt von Regensburg, 1080 das Kloster Oberalteich. (Siehe auch MM 2/1996, S. 6ff) Sein Nachfolger verlegte nach Gründung des Klosters Windberg 1130 den Wohnsitz der Familie nach Bogen auf den Schlossberg, nicht wie lange angenommen auf den Bogenberg.

Die Ministerialen der Grafen von Bogen

Zur Sicherung ihres Herrschaftsgebietes benötigte jede Dynastie treue Gefolgsleute, damals Milites (Militär!), später Ministerialen (Minister!) genannt. Die „domvögtische” Linie rodete vor allem den westlichen Teil der Grafschaft (westlich der Kinsach), wovon die vielen „zell”-Orte dort Zeugnis geben: Wolferszell, Rattiszell, Haunkenzell, Riederszell, Willerszell, Eggerszell, Geraszell, Hüttenzell, Zinzenzell . . . Die Dienstleute der „Windberger” Linie dagegen rodeten vor allem im östlichen Teil.

Die Ministerialen entstammten teils dem niederen Adel oder waren aus einfachen Diensten aufgestiegen und als tüchtige Verwalter und Hauptleute zu Reichtum und Ansehen gelangt. Sie nannten sich nach ihrem Wohnsitz, der häufig eine befestigte Anlage, manchmal auch eine Burg war. Im Rang am höchsten standen die Burghauptleute. Sie verfügten über eine Besatzung und konnten dem Umland Schutz und Hilfe bieten - und sie führten die Aufsicht über Abgaben und Steuern, an denen sie erheblichen Anteil hatten. Solche befestigten Anlagen waren auf dem Natternberg, auf dem Degenberg, in Falkenfels, Randsberg und Mitterfels.

Als frühester Burghauptmann in Mitterfels wird Berchtoldus genannt, der 1194 (nach Mohr zwischen 1184 - 1188) bei der Stiftung von Kreuzkirchen an das Kloster Oberalteich als Zeuge auftritt. Bei dieser Stiftung treten auch Marquardus und Renaldus von Buchberg auf, sowie die Brüder Heinrich und Marquart Schaeubing von Grub, Buchberg und Scheibelsgrub hätten also 1994 ebenfalls ihr 800-jähriges Jubiläum feiern können!006_hauptburgen

Aus: Historischer Atlas von Bayern, Bd. Mitterfels, S. 72

Weitere Ministerialensitze um Mitterfels waren: Gschwendt, Wolferszell, Bärnzell, Ascha, Tiefenbach, Erpfenzell, Haselbach, Landasberg, Haibach, Sicklasberg, Punzendorf und Konzell. . .  Die gehobene Stellung einiger Ministerialen zeigt, dass z.B. ein Rudolf von Menach ein leiblicher Sohn von Albert I. war und ein Gebhard von Menach zwei Grafen von Bogen Marschalldienste leistete. Der befestigte Sitz der Menacher ist bisher nicht bekannt. Wahrscheinlich kann man ihn entweder in Niedermenach, auf dem sog. „Häuslberg” oder in Weidenhofen suchen.

Die Bedeutung des Burghauptmanns von Mitterfels kann man daraus erkennen, dass sein Todestag am 27. November im Totenbuch des Klosters Oberalteich genannt wird. Sein Todesjahr dürfte 1210 sein, da er 1209 zum letzten Mal als Zeuge auftritt.

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