Leben im Schatten der Burg

 

Prof. Dr. Konrad Ackermann:

Festvortrag am 4. August 1995 im Rahmen der 800-Jahr-Feier

aus: Mitterfelser Magazin 2/1996, Seite 6 ff.

001 antiquariumKein Reisender von Gefühl“, so der Geograph Adrian von Riedl 1843 in seinem Reiseatlas über den Vorderen Bayerischen Wald, „wird die bezaubernde Gegend an einem schönen Frühlings- oder Sommertage durchwandern, ohne von den angenehmsten Empfindungen und der lebhaftesten Freude durchdrungen zu werden. Sein Auge wird sich bald an den reifenden Saaten und grünenden Wiesen ergötzen. Hier wird ihn der Anblick der stolz hinströmenden Donau, dort die Ansicht der Waldgebirge entzücken, die sich stufenweise erheben und in grauer Ferne den Horizont begrenzen. Überall wird ihm Anmut und Schönheit begegnen.“

Foto: Burg Mitterfels und Burgruine beim Steinhaus - Fresko von Hans Donauer um 1590 im Antiquarium der Münchner Residenz

„Mitternfels“: Eine trutzige Burg der Grafen von Bogen auf einem „gar unträchtig bergig Ding“

Teil dieser Landschaft ist auch Mitterfels mit seinem Wahrzeichen, der hochaufragenden, gleichsam uneinnehmbaren Burg in der Mitte des Weges zwischen Bogen und Falkenfels, inmitten einer freilich kargen Landschaft mit „dürrem, buckligem“ Boden und „schlechten, rissigen“ Wiesen, kurz, wie eine Steuerbeschreibung des 16. Jahrhunderts vom Schlossberg berichtet, „ein gar unträchtig bergig Ding“.

Als trutzige Burg mit mächtigen Zwingmauern - neben der Ruine einer zweiten kleineren Anlage - hat sie Hans Donauer am Ende des 16. Jahrhunderts an der Seite der wichtigsten Herrschafts- und Verwaltungssitze des altbayerischen Landes dargestellt. Sie diente der Landesverteidigung wie der Abwehr äußerer und innerer Feinde.

003 kl_windbergBurg und Ansiedlung Mitterfels sind eine Gründung der Grafen von Bogen. Diese stellen das angesehenste und mächtigste hochmittelalterliche Dynastengeschlecht des Donauraumes dar. Hermann von Altaich, ihr erster Biograph, beschreibt sie als „dives“ (reich) mit einer „Grafschaft voll Reichtum und Ehre“. Sie hatten ausgedehnten Besitz im Altsiedelland, von dem Arbeo von Freising bereits in frühmittelalterlicher Zeit berichtet, dass es dem Garten Eden gleiche. Der Schwerpunkt ihrer Grundherrschaft, das heißt ihrer Verfügungsgewalt und Herrschaft über Land und Leute, aber lag eindeutig im Rodungsland des Bayerischen Waldes. In Windberg hatten sie ihre Stammburg, und als sie diese in ein Kloster, in ihr Hauskloster umwandeln ließen, wählten sie Bogen als Hauptsitz.

Abb.: Kloster Windberg in Michael Wenings Landbeschreibung des Rentamts Straubing (1726)

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